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Eilbote :: 13.08.2009
Haus der Landtechnik
Mehr als nur Abrechnungsbüro
65 Hauptbetriebe und mit Filialen weit über 200 Landmaschinenhändler sind Mitglieder der Kooperation HLT (Haus der Landtechnik). Dabei sind für Geschäftsführer Thorsten Ebken, der mit seinem Unternehmen Meifort zum Mitgliederkreis gehört, die Vorteile im Rechnungswesen und der Finanzierung nur ein Argument von vielen.
"Im Kreis der HLT-Kollegen habe ich viel dazu gelernt, das ist mit Geld gar nicht zu bezahlen", betont Thorsten Ebken im Gespräch mit dem eilboten. Der 43-jährige Geschäftsführer schätzt den Erfahrungsaustausch unter den vielen Kollegen, die in der Einkaufsgemeinschaft HLT organisiert sind. Die Mitgliedsbetriebe haben alle eine ähnliche Struktur. Mit einem Jahresumsatz von im Schnitt 7 bis 15 Mio. pro Mitgliedsfirma nennt sich die HLT auch Gemeinschaft führender Landmaschinenhändler, unterstreicht der HLT-Geschäftsführer Uwe Zernickel (44).
Bei der Auswahl der Mitgliedshändler werde darauf geachtet, dass sie im Markt nicht zu stark als Wettbewerber in der gleichen Region auftreten. "Das schafft den Raum für den vertrauensvollen Erfahrungsaustausch, auch mit den Händlern anderer Marken", so Ebken. Letztlich, so das Fazit des Case IH/Steyr-Händlers aus Schleswig-Holstein, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der HLT ist, seien die Problemkreise aber bei allen Herstellerfarben gleich. Der Austausch mit Berufskollegen ist wichtig, ist aber nicht der alleinige Vorteil einer HLT Mitgliedschaft, stellt Zernickel heraus. Von seinem Büro in Karlsruhe aus wickelte das sechsköpfige HLT-Team im Jahr 2008 ein Einkaufsvolumen in Höhe von 80 Mio. Euro mit den rund 80 bei HLT gelisteten Landmaschinenherstellern, Ersatzteil- und Reifengrossisten ab. Rund 70.000 Belege wurden gebucht.
Liquidität wird unterstützt
Die Firma Meifort mit 140 Mitarbeitern (davon 27 Auszubildende) an sieben Standorten in Schleswig-Holstein, zählt neben Case IH auch JCB, Westfalia Surge, Amazone und Kuhn zu ihren Hauptlieferanten. Bei einem Jahresumsatz von im Schnitt 25 bis 30 Mio. Euro beträgt das über HLT abgewickelte Volumen ca. 3 Mio. Euro pro Jahr. Der HLT-Händler bleibt in seinem Einkaufsverhalten gegenüber seinem Landtechniklieferanten aber unabhängig: Die Konditionsverhandlungen werden weiter direkt zwischen Händler und Hersteller geführt. Die Fakturierung und Bezahlung übernimmt aber die HLT. Auch das Delkredere, also die Garantie für die Zahlungsfähigkeit des Landmaschinenhändlers als HLT-Mitglied, liegt bei der HLT. Ein für den HLT-Händler verlängertes skontierungsfähiges Zahlungsziel von 40 Tagen stärkt die betriebliche Liquidität. Händler können sich also über die HLT refi nanzieren und so z.B. die Vorteile des Frühbezugsnutzen.
Auch die Buchhaltung des Landmaschinenbetriebs wird durch einen gestrafften Zahlungsverkehr entlastet, so Thorsten Ebken. Günstigere Einkaufskonditionen durch ein größeres Einkaufsvolumen des gesamten HLT-Händlerkreises wird als weiterer Vorteil einer Mitgliedschaft genannt. Am Ende des Jahres werden die Überschüsse der Umsatzrückvergütung, welche die Hersteller an die HLT zahlen, an die Mitglieder ausgeschüttet.
Dabei wurde die fällige Gewerbesteuer von der HLT bereits abgezogen. Zur genauen Höhe der Ausschüttung wollte sich Zernickel nicht äußern: Durch das verlängerte Zahlungsziel und Einsparungen bei der Gewerbesteuer sei diese Zahl schwer mit der Rückvergütung anderer Einkaufsgemeinschaften zu vergleichen.
Was hat der Lieferant für Vorteile?
Zu den bei der HLT gelisteten Lieferanten gehören viele namhafte Hersteller von Maschinen, Geräten, Zubehör- und Betriebsstoffen. Der Hersteller hat im Schnitt nach sieben Tagen sein Geld garantiert auf dem Konto, nennt Zernickel einen Hauptnutzen für die gelisteten Lieferanten. Dreimal pro Monat werden in Karlsruhe Zahlungen angewiesen. Für jeden Hersteller wird individuell eine Delkredereprovision ausgehandelt, die zwischen zwei bis sechs Prozent liegt.
"Ein HLT-internes Risikomanagement, das z.B. die Valutierungen und Finanzierungen des Händlers bei der HLT im Blick behält, soll bei sich anbahnenden Zahlungsproblemen die Warnlampen rechtzeitig aufleuchten lassen. Zusätzlich besteht für alle HLT-Gesellschafter eine Forderungsausfallversicherung. Soweit zur Risikominimierung eines Zahlungsausfalls," so Zernickel.
Mit der HLT hat der Hersteller statt 65 Einzelbetrieben nur einen einzigen Ansprechpartner für den gesamten kaufmännischen Abwicklungsprozess, der demnächst auf den neuesten technischen Stand des elektronischen Zahlungsverkehrs gebracht wird. Aus Lieferantensicht nennt Zernickel Umsatzsteigerungen durch größere Absatzmengen, eine schnellere Markteinführung und eine bessere Kundenbindung als weitere Vorteile einer Zusammenarbeit mit seinem Karlsruher Büro. Man sei, so der Chef der mittlerweile 45 Jahre alten HLT, an einer Ausweitung des Herstellerportfolios interessiert. "Wir wollen aber keinen Bauchladen", schränkt Zernickel ein. Im Segment der Hofl ader gäbe es beispielsweise aber noch eine Lücke.
Zur Zentralfakturierung und -regulierung gehört auch die Unterstützung in der Gewährleistungsabwicklung. In Karlsruhe laufen diese Forderungen an die Hersteller zusammen, Zernickel sieht sich hier als Moderator in Streitfällen zwischen Händler und Hersteller. "Durch unsere Einkaufsstärke können wir manchmal auch einen längeren Hebel ansetzen. Wir registrieren, wenn sich z.B. bei einer Baureihe Fehler häufen. Mit der Antwort an den Händler: "Sie sind der Einzige bei dem das bisher passiert ist", geben wir uns dann nicht zufrieden!"
Neben weiteren Dienstleistungen, wie z.B. Rahmenverträgen mit Finanzierungsgesellschaften oder Versicherungen, bietet die HLT ihren Mitgliedern auch Schulungen, sei es produktbezogen oder für das betriebliche Management.
Mitglied werden?
Neue Mitglieder aus dem Kreis des Landmaschinenhandels sind herzlich willkommen. 25.000 Euro müssen dann als Gesellschafterkapital auf den HLT-Tisch gelegt werden. Zernickel räumt ein, dass das Potenzial an Neumitgliedern in Deutschland überschaubar ist. Viele leistungsfähige Landmaschinenhändler seien bereits Mitglied in seiner oder einer anderen Einkaufskooperation. Manche Händler lehnen diese Form der Zusammenarbeit auch ab.
Pläne, die HLT-Leistungen auch über Deutschlands Grenzen hinaus sowohl Herstellern als auch Händlern anzubieten, liegen deshalb in Karlsruhe bereits in der Schublade.


